Persönliche Konzeptidee  ·  Dirk Meßberger · Sohn der Bewohnerin Karin Sander · andersWOHNEN-2010 eG, Nürnberg

Selbstbestimmt wohnen – auch morgen noch · andersWOHNEN-2010 eG

Selbstbestimmt wohnen
– auch morgen noch

Ein visuelles Konzept und eine Kostenrechnung – als persönlicher Vorschlag von Dirk Meßberger (Sohn der Bewohnerin Karin Sander)

Selbstbestimmt wohnen – auch morgen noch.

andersWOHNEN-2010 eG
Nürnberg

Überwiegend 70–80+ Jahre
Wachsender Unterstützungsbedarf

Pilotstart: 4 Haushalte
Kleiner Anfang. Große Wirkung.

Genossenschaftsgedanke
Gemeinschaft braucht Struktur

Persönliche Konzeptidee von Dirk Meßberger — Sohn der Bewohnerin Karin Sander, andersWOHNEN-2010 eG, Nürnberg. Dieses Dokument ist eine private Initiative zur Vorlage beim Vorstand und stellt keine offizielle Position der Genossenschaft dar.

01 · Bestandsaufnahme

Wo steht die Genossenschaft heute?

Eine ehrliche Analyse der Lage in der andersWOHNEN-2010 eG – ohne Beschönigung, aber mit Respekt für das, was bereits geleistet wird.

Die Bewohnerschaft

  • Überwiegend ältere Menschen, viele 70–80+ – Durchschnittsalter steigt kontinuierlich
  • Gemeinschaftliches, barrierefreies Wohnen als ursprüngliches Leitbild
  • Wachsender Anteil mit kognitiven Einschränkungen und Demenz
  • Eingeschränkte Mobilität, erschwerter Zugang zur Alltagsversorgung
  • Sozialer Rückzug bei Teilen der Bewohnerschaft – fehlende Tagesstruktur

Die Versorgungssituation

  • Ambulante Dienste: überlastet, Einsätze 15–20 Min., hohe Fluktuation
  • Angehörige tragen große Lasten – Koordination, emotionaler Druck
  • Nachbarschaftshilfe: sporadisch, nicht verlässlich
  • Krisenmanagement statt Prävention
  • Kommunikation zwischen Bewohnern, Familien und Diensten kaum koordiniert

02 · Gute Nachrichten für die Bewohner

Niemand muss etwas verändern.

Diese Konzeptidee ist ein Angebot – keine Forderung. Es geht darum, das Leben in der andersWOHNEN-2010 eG leichter und sicherer zu machen, nicht darum, jemandem etwas abzuverlangen.

Niemand muss etwas verändern
Ihre Wohnung, Ihr Mietvertrag, Ihr Alltag bleiben genau so, wie sie sind.
Niemand muss etwas tun
Es gibt keine Pflichten, keine Aufgaben, keine Verantwortung, die plötzlich auf Sie zukommt.
Niemand muss etwas bezahlen
Wer das Angebot nicht nutzen möchte, zahlt auch nichts dafür. Es ist freiwillig.
Da, wenn Sie es wollen
Ein bekanntes Gesicht im Haus, eine helfende Hand – nur, wenn und wann Sie möchten.
Kurz gesagt: „Selbstbestimmt wohnen – auch morgen noch“ ist ein zusätzliches Angebot, das im Haus entsteht – freiwillig und unverbindlich. Wer mag, profitiert. Wer nicht mag, lebt weiter genau so wie bisher.

03 · Ursprüngliche Idee & heutige Realität

Was war gedacht – und was ist Realität?

Die Idee war richtig. Die Umsetzung zeigt: Guter Wille allein reicht nicht.

Die ursprüngliche Idee
·Bewohner helfen sich gegenseitig im Alltag
·Nachbarschaft als tragfähiges soziales Netz
·Barrierefreiheit ermöglicht langes Verbleiben
·Gemeinschaftsräume als lebendiger Treffpunkt
·Ambulante Dienste als ergänzendes Element
Die heutige Realität
·Nachbarschaftshilfe funktioniert nur begrenzt
·Konflikte, Rückzug, unterschiedliche Erwartungen
·Barrierefreiheit allein hält niemanden – Begleitung fehlt
·Gemeinschaftsräume werden kaum genutzt
·Ambulante Dienste sind überlastet und unzuverlässig
Die ehrliche Schlussfolgerung:Gemeinschaft entsteht nicht automatisch durch Wohnen unter einem Dach. Sie braucht Struktur, professionelle Begleitung und verlässliche Angebote.

04 · Das Konzept

Selbstbestimmt wohnen – auch morgen noch: So funktioniert das Modell

Nicht ein Pflegeheim im Haus. Sondern ein verlässliches Team – im Haus verankert, bekannte Gesichter, kurze Wege.

Verlässlichkeit
Feste Personen, feste Zeiten, planbare Hilfe
Aufmerksamkeit
Frühe Wahrnehmung statt späte Reaktion
Würde
Selbstbestimmung bis zuletzt – im eigenen Zuhause
Teilhabe
Tagesstruktur, Begegnung, geteilte Aktivitäten
andersWOHNEN-2010 eG · Selbstbestimmt wohnen
Pilotmodell
Alltagsassistenz im Haus
  • Hausinterne Bezugsperson
  • Einkaufen & Besorgungen
  • Begleitungen zu Ärzten
  • Medikamentenerinnerung
  • Tagesstruktur & soziale Betreuung
  • Demenzbegleitung & Orientierung
Pflegefachkraft (fest)
  • Fachpflegerische Versorgung
  • Immer dieselbe Person im Haus
  • Medizinische Koordination
  • Abrechnung über Pflegekasse
  • Krisenintervention & Planung
  • Pflegegradberatung
Familien & Angehörige
  • Feste Ansprechperson im Haus
  • Entlastung von Koordination
  • Regelmäßige Information
  • Weniger emotionale Überlastung
  • Mehr Vertrauen, weniger Angst
  • Krisenplan vorhanden
Feste Bezugspersonen
Kurze Wege im Haus
Prävention statt Krise
Würde & Selbstbestimmung

Konkrete Leistungen im Alltag

Einkaufen
Tagesstruktur
Medikamente
Begleitung
Sicherheit
Zuwendung
Pflege
Gespräche
Pilotstart: Das Modell beginnt mit 4 Bewohnerinnen und Bewohnern und einer einzigen Assistenzkraft. Die Struktur wächst schrittweise.

05 · Finanzmodell

Was kostet es – und lohnt es sich?

Konkrete Personalkosten, drei Skalierungsszenarien und der Vergleich mit Pflegeheim-Eigenanteilen.

Personalstruktur – je nach Skalierungsstufe

Das Modell startet bewusst mit einer einzigen Assistenzkraft. Die Fachpflege wird erst ab ausreichender Bewohnerzahl wirtschaftlich sinnvoll eingebunden.

ModellPersonalBrutto gesamtAG-Vollkosten
A – Pilotstart4 Bewohner1 AlltagsassistenzEinkaufen, Begleitung, Betreuungca. 2.400 €ca. 3.200 €
B – Ausbau10 Bewohner1 Pflegefachkraft + 1 AssistenzPflegegradberatung, med. Koordinationca. 6.000 €ca. 8.000 €
C – Vollausbau20 Bewohner2 Fachkräfte + 2 AssistenzVollversorgung – Schichtbetrieb möglichca. 12.000 €ca. 16.000 €

AG-Vollkosten = Bruttogehalt + ca. 21 % Arbeitgeber-Sozialabgaben + Urlaubs-/Ausfallrücklage. Richtwerte (Bayern 2024) – im Rechner anpassbar.

Hinweis Pflegekasse: Bewohner mit Pflegegrad 1–5 haben Anspruch auf Sachleistungen, Entlastungsbetrag und Pflegegeld. Die individuellen Beträge können im Kostenrechner unten ergänzt werden, sobald die Pflegegrade feststehen.

06 · Kostenrechner

Modelle durchspielen – Eigenanteil berechnen

Wählen Sie ein Modell oder geben Sie eigene Werte ein. Die Pflegekassenleistungen können zunächst auf 0 € bleiben und später ergänzt werden, sobald die individuellen Pflegegrade bekannt sind.

Personal im Haus

= 0 € / Monat
= 3.200 € / Monat

Was sind „AG-Vollkosten"?
Bruttogehalt + ca. 21 % Arbeitgeber-Sozialabgaben (Kranken-, Renten-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung, Berufsgenossenschaft) + Anteil für Urlaubsvertretung & Lohnfortzahlung. Das ist der tatsächliche Aufwand für die Genossenschaft – nicht das Nettogehalt der Person.

Beispiel Assistenz: ca. 2.400 € brutto → ca. 3.200 € AG-Vollkosten.
Beispiel Fachkraft: ca. 3.600 € brutto → ca. 4.800 € AG-Vollkosten.
Bitte an den realen Tarif (TVöD, AVR, Haustarif) anpassen.

Bewohner & Pflegekasse

Tipp: Lassen Sie das Feld auf 0, solange die individuellen Pflegegrade noch nicht feststehen.

Aufschlüsselung

Personalkosten
0 × Fachkraft à 4.8000
1 × Assistenz à 3.2003.200
Personal gesamt / Monat3.200
Pro Bewohner
Bewohner (Kostenträger)4
Kosten pro Person (brutto)800
– Pflegekasse0
Eigenanteil / Person800
≈ jährlich pro Person9.600
Vergleich Pflegeheim: Der durchschnittliche monatliche Eigenanteil im stationären Pflegeheim beträgt bundesweit ca. 3.200 €/Monat (2024). Dieses Modell liegt selbst ohne Pflegekassenanteil bei einem Bruchteil davon – bei gleicher oder besserer Lebensqualität.

07 · Rückmeldung

Interesse oder Rückmeldung eintragen

Sie sind Vorstandsmitglied, Bewohner:in, Angehörige:r oder Unterstützer:in? Tragen Sie sich unverbindlich ein – Dirk Meßberger nimmt persönlich Kontakt mit Ihnen auf.

Ihre Daten werden ausschließlich intern von der andersWOHNEN-2010 eG zur Kontaktaufnahme verwendet.

08 · Gesellschaftlicher Kontext

Deutschland vor einem Pflegekollaps

Was im Kleinen in der andersWOHNEN-2010 eG sichtbar wird, ist im Großen eine gesellschaftliche Krise. Wir müssen handeln – nicht irgendwann.

5,0
Mio.
Pflegebedürftige heute
Tendenz stark steigend
7,6
Mio.
Prognose 2055
Statistisches Bundesamt
1,8
Mio.
Menschen mit Demenz
benötigen Kontinuität, nicht Rotation
15
Min.
Pflegeeinsatz im Schnitt
zu kurz für Würde
3.200
Heimkosten Eigenanteil/Monat
für die meisten nicht tragbar
500K
Fehlende Pflegekräfte bis 2030
die Lücke wächst

Deutschland altert in historisch beispiellosem Tempo. 2023 waren über 5 Millionen Menschen pflegebedürftig – 15 % mehr als fünf Jahre zuvor. Bis 2055 prognostiziert das Statistische Bundesamt über 7,6 Millionen. Der Bedarf wächst dramatisch. Die Strukturen wachsen nicht mit.

Ambulante Dienste arbeiten unter extremem Zeitdruck. Einsätze dauern oft nur 15–20 Minuten – zu kurz für echte Beziehung, zu kurz für Würde. Stationäre Pflegeheime kosten im Schnitt 3.200 € monatlichen Eigenanteil – weit über den meisten Renten.

Besonders dramatisch: Demenz betrifft heute 1,8 Millionen Menschen in Deutschland. Sie braucht Kontinuität, vertraute Gesichter, Zeit und Geduld. Genau das, was rotierende Pflegedienste strukturell nicht bieten können.

Die Folgen für Familien sind massiv. Angehörige – meist Frauen – reduzieren Arbeitszeiten, opfern die eigene Gesundheit, bis sie selbst zusammenbrechen. Das System reagiert erst in der Krise, statt Prävention zu ermöglichen.

Konzepte wie „Selbstbestimmt wohnen – auch morgen noch“ in der andersWOHNEN-2010 eG sind keine Nische mehr. Sie sind Teil der Antwort auf eine der größten sozialen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

„Das heutige Pflegesystem kann die kommende Welle nicht auffangen. Wer rechtzeitig Strukturen schafft, schützt nicht nur einzelne Menschen – sondern ganze Familien und Quartiere."

Die Frage ist nicht ob –
sondern wann und wie wir beginnen.

Diese persönliche Konzeptidee möchte den Vorstand einladen, das ursprüngliche Genossenschaftsleitbild weiterzuentwickeln: nicht als Pflegeheim, sondern als Ort, an dem Menschen selbstbestimmt wohnen – auch morgen noch.